Rückenschmerzen verhindern

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früher hatte ich echt mal eine gute Haltung. Starker Rücken, ganz gute Bauchmuskeln und so. Da sagten Kollegen, die an meinem Büro (mit Glaswand) vorbei kamen und mich vorbildlich an meinem Rechner sitzen sahen, manchmal: „Du hast aber einen geraden Rücken!“ Heute würde das keiner mehr sagen. Denn seit ich Kinder habe, ist das vorbei. Hängt wohl mit dem vielen und rückenunfreundlichen Tragen und dem fehlenden Muskeltraining zusammen. Jetzt wandern die Schultern in einem unaufmerksamen Augenblick nach oben, der Rücken wird rund, der Bauch kullert nach vorne und der Kopf hängt irgendwie auf dem Hals. Sieht nicht so super aus. Eher Hühnchen statt Pfau. Das wäre alles nicht sooo schlimm, wären da nicht diese Rückenschmerzen…

Falsche oder einseitige Belastung führen oft zu Rückenschmerzen, außerdem zu wenig Bewegung. Experten gehen sogar davon aus, dass in knapp 90 Prozent der Fälle eine unzureichende Muskulatur die Schmerzen bereitet. Eine schlechte Haltung verstärkt den Effekt noch. Der Grund ist simpel: Je schwächer die Muskulatur des Rückens, desto höher ist der Anteil an der Stützfunktion, die die Wirbelsäule übernehmen muss. 150 Muskeln wirken direkt auf unsere Wirbelsäule. Ohne dieses Korsett würde sie schon bei einer Belastung von zwei Kilogramm zusammenbrechen. Da ist es kein Wunder, dass Belastungsstörungen, wie z.B. ein Bandscheibenvorfall, überwiegend Menschen treffen, die glauben, ihren Rücken zu schonen, weil sie ihm keine sportliche Belastung zumuten.

Aber Rückenschmerzen sind nicht nur eine physische Sache, sondern zum Teil sogar eine psychische: Wenn man häufig genervt oder gestresst ist, an seine Grenzen stößt, unzufrieden ist oder schlicht keine vernünftige Balance mehr zwischen Belastung und Entspannung findet, wirkt sich das nämlich psychosomatisch aus. Die Sorgen, die sprichwörtlich auf unseren Schultern lasten, können langfristig auch Schmerz auslösen, ist Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule überzeugt. „Die Schulter-Nacken-Verspannung ist ein klassisches Beispiel: Sie ist nicht ausschließlich das Ergebnis unserer Büroarbeit, sondern auch des emotionalen Drucks, der in unserer Wirbelsäule wirkt“, hat er mir in einem Interview für die Bunte mal erklärt. „Die Muskeln spannen sich wie bei unseren Vorfahren an, bereit um zu kämpfen oder zu fliehen – nur dass wir diese Energie im Alltag kaum herauslassen können und im Dauerstress gefangen bleiben.“ Auch hier würde Bewegung helfen.

Am effektivsten wäre natürlich ein Wirbelsäulen-Kursus oder Gerätetraining im Fitnessstudio – aber leider auch am aufwändigsten. Ich liebe ja eine klitzekleine Übung, die mir hilft, wenn ich merke, dass meine Haltung mal wieder absolut daneben ist. Nennen wir sie „die Königin“.

Die Übung dauert nur eine Minute und geht so:

Stell dir vor, du wärst eine Königin und hättest ein großes, glänzendes und glitzerndes Collier um den Hals, das du der Welt zeigen willst.

Fertig!

Die Vorstellung holt uns in Gedanken kurz aus unserer Stresssituation heraus – egal ob im Job, daheim im Kinderchaos oder in der überfüllten U-Bahn. (Ich finde es immer ganz lustig, mir auszumalen, wie ich als Matrone über allem stehe.) Außerdem verändert sie unsere Haltung: Wir richten uns automatisch auf. Die Schultern wandern nach unten, die Brust nach oben, der Bauch geht rein und der Rücken wird gerade. Und drittens wirkt sie auch auf die Wahrnehmung: Wir treten gleich viel selbstbewusster auf und fühlen uns auch so. Sieht super aus: Pfau statt Hühnchen eben.

 

 

About Nicole

Ich bin Nicole, Medizinwissenschaftlerin und Journalistin. Seit fast zehn Jahren schreibe ich über die Themen Medizin, Psychologie und Ernährung. Meine wichtigste Erkenntnis: Nur wenn wir uns im Alltag genug Zeit für uns selbst nehmen, geht es uns gut. In meinem Blog findet ihr Ideen, Gesundheits- und Wohlfühltipps, die guttun und ohne großen Zeit- und Arbeitsaufwand realisierbar sind, sondern einfach und schnell: in einer Minute, in fünf, zehn oder fünfzehn. Darum heißt er me-minutes.

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