in den Wald gehen

den Kopf frei kriegen und durchatmen – das kann ich nirgendwo besser als beim Joggen in der Natur. Rechts Bäume, links Bäume an der Isar entlang. Klar, die Bewegung spielt eine Rolle, weil sie dafür sorgt, dass das Gehirn stärker durchblutet und mit mehr Sauerstoff und Energie versorgt wird. Aber weder auf dem Laufband noch auf der Yogamatte schafft mein Gehirn das, was es auf dem Schotterweg zustande bringt: alles Unwesentliche einfach mal für eine Weile ausblenden. Allen Stress vergessen. Abschalten. Nix denken oder nur das Wesentliche. Ideen zulassen. Weitersehen.

Die Umwelt formt das Gehirn

Warum das so ist, kann vielleicht eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung erklären, die den Zusammenhang zwischen Natur und Hirngesundheit untersucht hat. Die Forscher haben Stadtbewohner, die nahe am Wald wohnen, mit solchen verglichen, die im naturfernen Umfeld wohnen und festgestellt, das erstgenannte eine gesündere Struktur der Amygdala haben. Diese kleine Region im inneren des Gehirns (auch Mandelkern genannt) spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Stressverarbeitung oder die Reaktion auf Gefahren geht. Wohlmöglich können sie deswegen besser mit Stress umgehen.

„Von Studien unter Landbewohnern wissen wir, dass naturnahes Leben gesundheitsfördernd für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden ist. So haben wir uns angeschaut, wie es sich bei Städtern verhält“, erklärt Forscherin Simone Kühn, wie es zu der Untersuchung kam. Und: „Forschungen zur Hirnplastizität stützen die Vermutung, dass die Umwelt sowohl die Hirnstruktur als auch deren Funktion formen kann.“ Denn Städter haben ein höheres Risiko, psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen zu entwickeln als Landbewohner. Zudem zeigen sie im Vergleich eine höhere Aktivität des Mandelkerns.

Waldbaden als Therapie

Woher der Wald seine Kraft nimmt? Vielleicht ist es die Luft, die durch die Bäume besonders gut, weil  besonders sauerstoffreich ist. Photosynthese heißt der komplizierte Vorgang, bei dem aus Kohlendioxid, das wir ausatmen, wieder Sauerstoff entsteht, den wir einatmen können. So kann eine alte Buche zum Beispiel 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde produzieren  (eine genauere Erklärung, wie das funktioniert, könnt ihr auf zeit.de nachlesen), damit können 50 Menschen eine Stunde lang atmen – oder sich den Kopf frei pusten lassen. Es lohnt sich also, so viel Zeit wie möglich, unter Bäumen zu verbringen.

Weil es im Wald so gesund ist, ist in Japan und den USA das sogenannte Waldbaden (forest bathing) – also ein Besuch im Wald – sogar als Therapie anerkannt. Und auf Usedom gibt es Deutschlands ersten anerkannten Heilwald, schreibt focus.de. Fertig gewissenschaftet. Ich schnür jetzt mal meine Laufschuhe und bin raus.

 

 

About Nicole

Ich bin Nicole, Medizinwissenschaftlerin und Journalistin. Seit fast zehn Jahren schreibe ich über die Themen Medizin, Psychologie und Ernährung. Meine wichtigste Erkenntnis: Nur wenn wir uns im Alltag genug Zeit für uns selbst nehmen, geht es uns gut. In meinem Blog findet ihr Ideen, Gesundheits- und Wohlfühltipps, die guttun und ohne großen Zeit- und Arbeitsaufwand realisierbar sind, sondern einfach und schnell: in einer Minute, in fünf, zehn oder fünfzehn. Darum heißt er me-minutes.

2 Responses

  1. Tatjana

    Diese Ergebnisse kann ich nur unterschreiben – nach einem umfangreichen Spaziergang im Grünen fühle ich mich (Achtung, Klischee) wie neu geboren! Oft habe ich auch gelesen, dass die Farbe Grün vom Gehirn als beruhigend empfunden wird. Vielleicht ein weiterer Erklärungsansatz…

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