andere enttäuschen

5 minuten:

wir sollten weniger Angst davor haben, andere zu enttäuschen. Der Gedanke kam mir am Wochenende, als ich „Verstehen Sie die Béliers?“ angeschaut habe. Eine französische Komödie – ein schöner Film. „Der Film thematisiert das Leben einer gehörlosen Familie, die im Alltag auf die Hilfe der hörenden Tochter angewiesen ist. Als diese ein Gesangsstipendium erhält und nach Paris gehen will, wird die Abhängigkeit zum Problem“, um mal kurz eine Zusammenfassung bei Wikipedia zu klauen. Und um jetzt auch noch das Ende vorweg zu nehmen: Ja, sie geht. Und ja, die Familie ist enttäuscht. Im ersten Moment. Im zweiten vielleicht auch. Aber schließlich akzeptiert sie den Wunsch der Tochter und unterstützt sie sogar.

So läuft das mit der Familie und so läuft das mit allen Menschen, die uns nahestehen: Sie wollen glücklich sein, aber sie wollen auch, dass wir glücklich sind. Manchmal tun sie sich schwer, das eigene Glück von unserem zu unterscheiden. Das geht allen so. Dann müssen wir reden. Und dann müssen wir vielleicht enttäuschen, im Kleinen wie im Großen. Angefangen damit, ob wir Marmelade kaufen oder Gelee. Ob wir Sonntagmorgens in aller Ruhe mit der Familie zum Bruch gehen oder lieber allein zum Joggen. Ob wir im Urlaub in die Berge fahren oder zum Meer. Bis hin zu der Entscheidung, ob wir uns um unsere Eltern kümmern oder lieber unseren Träumen folgen, wie das Mädchen im Film. Im besten Fall dauert es nur fünf Minuten, bis sich die Wogen wieder glätten. Im Schlimmsten Fall ist erst einmal Land unter.

„Alles im Leben hat seinen Preis“, hat die großartige Sabine Asgodom mir mal in einem Interview gesagt: „Wenn ich ein selbstbestimmtes Leben führe, enttäusche ich manchmal andere Menschen. Das ist der Preis.“ Wie das mit Preisen so ist, erscheint uns auch dieser Preis selten fair, vor allem, wenn wir zu der Gattung Mensch gehören, die es am liebsten immer allen recht machen würden. Nichtsdestotrotz: Es ist ein Preis, den wir gern zahlen sollten. „Gut angelegt“ sozusagen. Denn wenn wir immer das machen, das andere von uns erwarten, enttäuschen wir am Ende nur uns selbst.

About Nicole

Ich bin Nicole, Medizinwissenschaftlerin und Journalistin. Seit fast zehn Jahren schreibe ich über die Themen Medizin, Psychologie und Ernährung. Meine wichtigste Erkenntnis: Nur wenn wir uns im Alltag genug Zeit für uns selbst nehmen, geht es uns gut. In meinem Blog findet ihr Ideen, Gesundheits- und Wohlfühltipps, die guttun und ohne großen Zeit- und Arbeitsaufwand realisierbar sind, sondern einfach und schnell: in einer Minute, in fünf, zehn oder fünfzehn. Darum heißt er me-minutes.

2 Responses

  1. So isses! Aber grad mit kleinen Kindern ist es schwierig, ein Stück Egoismus zu leben und sich damit sein eigenes Stück vom Kuchen zu sichern. Aber es wird besser,wenn die Kids älter werden. Wirklich!

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